Ötscher durch Ötschergräben und über rauhen Kamm
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Er hat etwas Märchenhaftes: Der Naturpark Ötscher. Neben dem Tal, durch das sich die Mariazellerbahn bis zum Pilgerort hinaufschraubt, wartet das Gebiet mit spektakulären Landschaften, durchziogen von...
Er hat etwas Märchenhaftes: Der Naturpark Ötscher. Neben dem Tal, durch das sich die Mariazellerbahn bis zum Pilgerort hinaufschraubt, wartet das Gebiet mit spektakulären Landschaften, durchziogen von rauhem Gewässer, auf. Ein besonderes Beispiel sind da die Ötschergräben. Sie bieten alpine Natur, ein Bad im Wasser für Jene, die es kalt lieben, und tierische Treffen. Das Ganze in einer Atmosphäre, die die Seele baumeln und die Augen schlemmern lässt.
Schon der Eingang in die Ötschergräben weiß, zu faszinieren. Von Wienerbruck aus geht es zunächst am Naturparkhaus vorbei, am Ufer des Stausees entlang, dann scharf links in die Wildnis. Die Bäume wissen Schatten zu bieten, über den man sich bei diesen Temperaturen im Juli durchaus dankbar zeigt. Zuerst geht es geraden Weges entlang bis zur Abzweigung Kaiserthron. Wer diesen erkunden möchte, muss etwa eine halbe Stunde zusätzlich einplanen. 15 bis 20 Minuten führt der Weg steil bergauf, dann gelangt man an jenen Platz, von dem aus der Kaiser die Gämse und Steinböcke ins Visier nahm. Mit etwas Glück erblickt man selbst ein Exemplar. Auf demselben Weg dann ca. 10 Minuten hinunter. Über die Brücke und schon geht der Weg steiler bergab in die Gräben. Entlang der Felsenwand, die man schließlich auch durch Tunneln bezwingt. Ein Weg, der nichts zu wünschen übrig lässt und schließlich bis zum Kraftwerk Wienerbruck führt. Das kann nicht nur mit einem Trinkbrunnen, sondern auch mit einer Ausstellung aufwarten, die durchgehend geöffnet ist. Zusätzlich gibt es an manchen Tagen Führungen. Informationen direkt beim Kraftwerk oder auf der Homepage des Naturparks Ötscher.
Nun schreitet man im Fels am Ötscherbach entlang bis zur Jausenstation Ötscherhias, wo sich eine Pause anbietet. Dann weiter durch die Gräben. Es wird etwas waldiger, der Weg kürzt den Fluss des öfteren durch die Bäume ab. Mit etwas Glück erspäht man am gegenüberliegenden Fels eine Gams. Von rechts braust hier und da ein Wasserfall heran, doch die kleineren Bäche sind bereits ausgetrocknet. Nach einer knappen halben Stunde steht man schließlich am Fuße des Mirafall. Von hier geht es noch ein kleines Stück weiter, bis ein Wegweiser schließlich rechts entlang eines Flüsschens Richtung "Beim Jägerherz" führt. Ein Weg mit T3-Markierung. Nicht ganz zu unrecht. Denn das schmale Gässchen windet sich plötzlich steil am Grad entlang bergauf. Allerdings nur kurz. Dann geht es ein kleines Stück gerade durch den Wald bis zur Forststrasse. Die lässt sich nun nicht vermeiden und zieht sich hin bis zum Jägerherz. Das mag angesichts der Aussicht auf Wiesen und Wald und dem Getier, das darin möglicherweise fleucht, höher schlagen. Das Herz des Wanderers tut es angesichts des Wiesenpfades, der nun in den Wald und nach oben führt. Nicht zu anspruchsvoll, aber effizient. Und gut markiert. Bis plötzlich - keine Markierung mehr zu sehen. Dann folge man den Pfad, der aus dem Wald zunächst in eine Art Wiese und dann in die Latschen hinausführt. Bald schon findet man sich im Felsen wieder und dann wird es anstrengend. Bis man schließlich die Felswand und damit das Geldloch, eine Höhle, aus der es kalt herausbläst, erreicht. Der Beginn einer Querung, die sich lange dahinzieht und mit zwischendurch steilen Aufstiegen gewürzt ist. Bis man schließlich am Einstieg des rauhen Kammes steht.
Der rauhe Kamm: Der Klettersteig auf den Ötscher ist offensichtlich sehr beliebt. Und daher immer gut besucht. Viele der Besucher sind bereits erfahrene Kletterer, denen dieser Steig in Schwierigkeitsgrad 1 bis 2 nichts weiter ausmacht. Manche sind aber auch nicht so geübt, wie etwa unsere Gruppe. Und manche überschätzen sich wohl, wie die eine oder andere Gedenktafel zeigt.
Jedenfalls: Hier wird geklettert, es ist teilweise sehr steil und ausgesetzt und es gibt keine Sicherungen. Also Vorsicht. Immerhin werden die Kletterpartien oft durch Fußweg unterbrochen. Wir haben trotzdem immer auf Dreipunktsicherung und festen Halt gesetzt. Viele Steine sind bereits gelockert und andererseits schon sehr rutschig durch die vielen Wanderer. Also benötigten wir für den Klettersteig statt der angegebenen Stunde eineinhalb Stunden. Und es war eine einmalige Erfahrung. Manchmal Überwindung, manchmal Spannung, zum Schluss aber schon sehr anstrengend. Doch schließlich öffnet sich das Plateau und nach weiteren zehn Minuten erreicht man den Gipfel des Ötscher. Der mit einer wahrlich abwechslungsreichen Aussicht Lohn für die Anstrengungen bietet. Bis weit hinein in die Alpen reicht der Blick. Auf der anderen Seite erstreckt sich die Tiefebene. Und auf dem Gipfel selbst herrscht ein Kommen und Gehen.
Richtig viel Verkehr ist man dann am Alpinweg Richtung Ötscherschutzhaus ausgesetzt. Solange dieser am Kamm entlang führt, kann man noch die Aussicht genießen. Runter zum Schutzhaus ist es dann eher steinig und anstrengend. Man muss schon aufpassen, nicht zu rutschen.
Vom Ötscherschutzhaus würde der Sessellift Richtung Lackenhof führen. Wir gehen allerdings zuerst die Familienabfahrt entlang bis zum Riffelsattel. Von dort führt ein Pfad durch Wiese und Wald wieder auf jene Forststrasse, auf der wir zuvor zum Jägerherz wanderten. Diesmal kommen wir allerdings von der anderen Seite. Und marschieren die Forststrasse zwar lange, aber nicht so lange entlang. Denn endlich geht es rechts hinunter Richtung Schleierfall. Wieder durch den Wald, an Bächen entlang, bis man endlich den Schleierfall erreicht. Hier lockt ein Bänklein sowie die Aussicht auf den Wasserfall noch einmal zu einem Päuschen. Und dann: Entlang der Ötschergräben zurück. Bis zum Ötscherhias kann man etwa eine Stunde rechnen, eine weitere bis zum Ausstieg. Wobei hier noch einmal ein ordentlicher Anstieg wartet.
Die Tour erweist sich als abwechlungsreich, führt durch verschiedene Landschaften und das auf ganz verschiedenen Pfaden. Doch geboten sind Trittsicherheit, Ausdauer und ein gutes Quäntchen an Vorsicht, speziell im Klettersteig. Eher für erfahrene Wanderer.

Vom Ötscher runter nach Lackenhofen. Oder Zustieg vom Erlaufsee.
Ötscherhias, Ötscherschutzhaus
Ano
Ano
Passendes Schuhwerk, Sonnenschutz, ausreichend Getränke
Nur für Geübte und Schwindelfreie
A1 bis St. Pölten, dann Richtung Mariazell bis Wienerbruck.
Mariazeller Bahn
Kostenpflichtiger Parkplatz
Richtiges Schuhwerk und etwas Kraft in den Armen unbedingt notwendig. Bei Regenwetter nicht empfehlenswert
Richtig trainierte Wanderer können zur Tour auch mit der Mariazellerbahn anreisen. Fahrplan beachten! Zeit für den rauhen Kamm nehmen, da dort oft viel Verkehr herrscht.
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